Saturday, January 31. 2009
Media Markts MP3 Shop
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Aus einer Heise-Meldung entnahm ich, das Media Markt in das MP3-Geschäft einsteigt.
Und zwar ohne DRM, und mit einem Einführungsangebot von 5 Euro für ein Album (aus einer vorgegebenen Liste).
Mit 5 Euro für ein Downloadalbum kann ich mich anfreunden, mit DRM nicht, also im Prinzip ganz interessant. Ich hab mir zum Testen Death Magnetic von Metallica gekauft, ein Album für das man laut Kritiken auch nicht viel mehr ausgeben sollte, aber ich wollte ja auch eher den Shop testen...
Also los. Auf www.mediamarkt.de findet sich nach einigem Suchen sogar ein kleiner Button zum Downloadshop. (Tip: Links gucken). Der Downloadshop (wer schummeln möchte: download.mediamarkt.de ist im gewohnten Design gehalten, so dass man als Kunde erstmal das reflexartige Zukneifen der Augen und innere Erblindungsphobien überwinden muss. Der Shop verlangt dann nach Javascript und Cookies, denn sonst geht erstmal garnichts. Danach stellt NoScript noch bei jedem dritten Click "Click Theft" fest, eine Warnung die man auch abschalten muss um den Shop zu bedienen. Wer programmiert sowas? Den Shop, nicht Noscript...
Die technischen Schwierigkeiten bezwungen, ein Album im Warenkorb, ab zur "Kasse". Zum einkaufen ist zwingend ein Kundenkonto nötig. Unschön, aber was solls. Fürs Kundenkonto ist ein Datenstrip notwendig. Adresse, Geburtsdatum müssen angegeben werden, immerhin die Telefonnummer ist optional. Was soll das, ich dachte, ich lade die Musik runter, bekomme ich eine Sicherungskopie zugeschickt? Wer denkt, die Daten würden zur Sicherung der Lastschrift gebraucht irrt, die Zahlungsmöglichkeiten sind auch eher dürftig. Akzeptiert wird ausschließlich harte Vorkasse. Click&Buy, Kreditkarte, "Media Markt Musik Download Karte". Ersteres ist PayPal ähnlich, bietet immerhin hintenrum dann doch wieder Lastschrift an, dafür ist noch ein Unternehmen involviert. Letzteres verstehe ich nicht. Wenn ich zu Media Markt laufe, um mir eine Karte zu kaufen, mit der ich dann zuhause Musik kaufen kann, wieso kaufe ich die Musik nicht gleich vor Ort? Der Sinn von MP3-Shops ist doch nicht das ich mir das aufwendige rippen erspare?
Also Zahlung per Kreditkarte. Angeklickt, weiter, es folgt ein Dialog bei dem ich die Kreditkarte auswählen soll. Visa. Ein Fehler, Session abgelaufen oder Cookies blockiert. Aha? Aha! Die Kreditkartenprozedur läuft über worldpay.com. Damit es für den Kunden aber nicht zu einfach wird, ist diese in ein Frameset eingebunden, man denkt man wäre noch auf mediamarkt.de. Ein Grund für meinen Browser mich nicht zu warnen das eine fremde Seite Cookies setzen will, sondern diese still wegzuräumen. Wieder fix Cookies erlauben, den Bestellvorgang nochmal anschmeißen, denn "zurück nimmer", man darf wieder im Mediamarkt-Shop anfangen. Kasse, Weiter, Kreditkarte, Ja, Visa, Kartennummer, Prüfziffer, Name (schon wieder?) eingeben, Fehler. NoScript warnt vor einer XSS-Attacke. Ich vermute langsam, die Entwickler des Shops haben sich eine Stichpunktliste besorgt, was bei der Entwicklung von Webanwendungen nicht sein darf. Und diese Punkte dann alle brav eingebaut. Die Warnung also auch abgestellt, gehts zur Autorisation meiner Bank für den Transfer, zurück zum Shop, der die Titel des Albums einzeln, oder als ZIP-Datei mit Coverbild zum Download anbietet. Außerdem verlangt der Shop: "Gewährleisten Sie vor dem Download bitte, dass in Ihrem Media Player unter "Extras/Optionen" der "automatische Lizenzempfang" zulässig ist!". Wie jetzt, doch DRM? Ich ahne übles...
Dass der Download erst beim zweiten Versuch funktionierte, will ich eigentlich garnicht weiter erwähnen, tue es aber doch, da man die Möglichkeit hat gekaufte Tracks drei mal herunterzuladen, auch später wieder. Dabei hat der erste, abgebrochene Download erfreulicherweise nicht mitgezählt. Im ZIP selbst sind dann die Handvoll MP3-Dateien und ein JPEG-Bild. Die MP3s liegen bei 320kBit/s, konstant kodiert (warum?), joint-stereo (warum?). Im ID3-Tag hab ich auf die Schnelle keinen Hinweis auf den Käufer finden können, was schonmal gut ist. Ob die Dateien Wasserzeichen haben lässt sich ohne Vergleichsmöglichkeit natürlich nicht feststellen. Das letzte große Aber: Das Coverfoto. In einer unglaublichen Qualität von 300x300 Pixeln. Was soll man mit so einer Briefmarke?
Fazit: Sieht man über die technschen Mängel des Shops, den Zwang zur Adressweitergabe und das fiese Coverbild hinweg finde ich das Angebot ganz brauchbar. Leider sind die 5 Euro pro Album ein Einführungsangebot, damit bleibt abzuwarten wie sich die Preise entwickeln. Alben die nicht im Angebot sind kosten derzeit 9,99 Euro, Sampler mehr. Für mich für einen Download viel zu teuer. Aber Konkurrenz belebt das Geschäft, und damit ist ein neuer DRM-freier MP3-Laden besser als kein neuer DRM-freier MP3-Laden...
Achja, die Horrormeldung, dass ich bitte Lizenzmanagement gewährleisten solle erschließt sich mir nicht. Bekommen habe ich ganz normale MP3s, zum Glück...